Das interplanetare Magnetfeld
Die Sonne strahlt ständig elektrisch geladenes Plasma ab — den Sonnenwind. Er trägt das Magnetfeld der Sonne mit sich; man nennt es das interplanetare Magnetfeld (IMF). Auf seinem Weg zur Erde behält dieses Feld eine Richtung und Stärke, die sich aber laufend ändert.
Die drei Komponenten
Das IMF wird in einem dreidimensionalen Koordinatensystem beschrieben (GSM). Bx zeigt entlang der Sonne-Erde-Linie, By in der Ekliptik senkrecht dazu, und Bz steht senkrecht zur Ekliptik. Für Polarlichter zählt fast ausschließlich Bz.
Vorzeichen entscheidet
Positiver Bz (nordwärts) ist parallel zum Erdmagnetfeld an der Tagseite und wird abgestoßen — der Sonnenwind „rutscht ab". Negativer Bz (südwärts) ist antiparallel und kann sich mit dem Erdmagnetfeld verbinden — magnetische Rekonnexion.
Einheit: Nanotesla
Bz wird in Nanotesla (nT) gemessen — eine kleine Einheit, die der schwachen Stärke des Sonnenwind-Magnetfelds entspricht. Das Erdmagnetfeld an der Oberfläche ist etwa tausendmal stärker (rund 50.000 nT). Trotzdem haben wenige nT IMF eine massive Wirkung.
Magnetische Rekonnexion
Bei der Rekonnexion verschmelzen die Feldlinien des Sonnenwind- und des Erdmagnetfelds zu einer offenen Geometrie. Teilchen können entlang dieser Linien aus dem Sonnenwind in die Magnetosphäre eindringen, werden Richtung Pole beschleunigt und regen dort die Atmosphäre zum Leuchten an.
Verzögerung von Sonne zu Erde
Der Sonnenwind braucht etwa 1–4 Tage von der Sonne zur Erde, je nach Geschwindigkeit. Erst kurz vor der Erde — am Lagrange-Punkt L1, etwa 1,5 Mio. km entfernt — wird Bz gemessen. Diese Messung gibt dann 15–60 Minuten Vorlauf.